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Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. hat heute die Preisträger des internationalen Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus bekannt gegeben. Der TO DO! 2007 wurde im Rahmen der 42. Internationalen Tourismusbörse in Berlin an drei erfolgreiche Bewerber verliehen. Die neuen TO DO!-Preisträger kommen aus Mexiko, Südafrika und Australien.
Zu den Gewinnern zählen die HACIENDAS DEL MUNDO MAYA aus den mexikanischen Bundesstaaten Campeche und Yucatán. Das zweite Projekt unter den gleichrangig zu wertenden Preisträgern ist das WESTERN AUSTRALIAN INDIGENOUS TOURISM OPERATORS COMMITTEE (WAITOC) aus Perth/Australien. Ein Sonderpreis wurde vergeben an das DIRECT ACTION CENTRE FOR PEACE AND MEMORY (DACPM) in Kapstadt/Südafrika. Der Grund: DACPM arbeitet nicht im klassischen Sinn wie ein touristischer Betrieb, sondern in übergeordneten soziokulturellen Themenfeldern und spielt dabei eine äußerst wichtige, wirtschaftliche wie auch
identitätsstiftende Rolle. In der gegenwärtigen Debatte über die Rahmenbedingungen einer sozialen Marktwirtschaft sei es "von eminenter Bedeutung, positive Beispiele für sozialverantwortliches Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft hervorzuheben", so MdB Thilo Hoppe in seiner Laudatio auf die Preisträger. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lobte ausdrücklich die in den Preisbegründungen deutlich werdenden Herangehensweisen für "Geschäftsmodelle mit einer gesellschaftlichen Verantwortung".
Im Zentrum der Wettbewerbskriterien des TO DO! für einen sozialverantwortlichen Tourismus stehen u.a. die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen der ortsansässigen Bevölkerung bei Planung und Durchführung von Tourismusprojekten. Sie soll durch aktive Partizipation der Einheimischen erfolgen. Dabei müssen für alle Beteiligten die Chancen und Risiken solcher Vorhaben transparent werden, ebenso das Ausmaß und die Streuung des wirtschaftlichen Nutzens. Zu den Kriterien des Wettbewerbs zählen ferner: die Gewährleistung der Attraktivität touristischer Arbeitsplätze sowie Vorsorgemaßnahmen zur Erhaltung und Stärkung der einheimischen Kultur.
Adresse in Mexiko Stadt: Adresse in Merida: Einen wesentlich schwierigeren Weg hatte das DIRECT ACTION CENTRE FOR PEACE AND MEMORY (DACPM) in Kapstadt/Südafrika zu bewältigen. Zunächst ohne nennenswerte Finanzen ausgestattet, startete das 1997 gegründete Projekt als reines Selbsthilfe- und Re-Integrationsprogramm für junge ehemalige ANC-Soldaten (die Partei von Nelson Mandela unterhielt im Untergrund einen eigenen militärischen Zweig). Nach dem Sieg über das Apartheidsregime folgte für diese ehemaligen Kämpfer - meist ohne Schulabschluss und Berufausbildung - häufig eine desorientierte und sozial entwurzelte Existenz in den Townships von Kapstadt. Doch Dank der Arbeit von DACPM gelang es, mehr und mehr dieser ehemaligen Kämpfer in ein ziviles Leben zurückzuführen und über Schulungen, psychologische Betreuung und Ausbildungsmaßnahmen die Grundlagen für die heutigen, auch touristischen Aktivitäten zu legen und dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Das DIRECT ACTION CENTRE FOR PEACE AND MEMORY bietet nämlich unter dem Titel "Journey of Remembrance" ein- bzw. zweitägige Kapstadt- und Township-Führungen an - sehr authentisch, weil die jeweiligen Guides selbst aus den Townships kommen. Ähnlich den "StattReisen"-Organisationen in Deutschland verfolgt man das Konzept, eine Stadt und seine Umgebung aus einem ungewohnten respektive anderen Blickwinkel zu betrachten. Deshalb sind diese Touren zu einem bemerkenswerten kultur- bzw. polittouristischen Programm geworden, weil sie sowohl die Geschichte der schwarzen Bevölkerung während der Apartheid aufarbeiten wie auch die Kämpfe und Auseinandersetzungen bzw. den Widerstand in den Townships zum Thema machen. Besonders interessant ist die zukunftsorientierte Grundhaltung, mit der diese Erinnerungstouren angeboten werden. Sie lautet: "Crossing Barriers - Bridging Divides". Auf Deutsch: Barrieren überwinden - Geteiltes überbrücken.
Direct Action Centre for Peace Betrachtet man es rein geschichtlich, gibt es bei der Gründung von WESTERN AUSTRALIAN INDIGENOUS TOURISM OPERATORS COMMITTEE (WAITOC) gewisse Parallelen. WAITOC ist ein von Aborigines gegründeter Verein mit Sitz in Perth/Westaustralien. Als Non-Profit-Organisation vertritt WAITOC die Interessen von rund 100 selbstständigen, indigenen Unternehmern, die in verschiedenster Weise auf dem touristischen Sektor tätig sind. Die Unternehmen verteilen sich auf ganz Westaus-tralien und sind alle im Besitz indigener Einzelpersonen, Familien oder Kommunen. Die Aktivitäten der beteiligten Betriebe setzen auf kulturelle Aspekte einerseits (Musik, Malerei bzw. Kunst der Aborigines) und reichen andererseits vom Betreiben von Lodges über Storytelling-Abende bis zu so genannten "Bushwalks" oder Geländewagentouren im Outback. WAITOC bildet dabei die zentrale, koordinierende Vertriebs- und Marketingorganisation all dieser Betriebe, bietet aber auch Ausbildungsprogramme für Unternehmensgründer und sorgt so dafür, dass der australischen Urbevölkerung eine selbstbestimmte und aktive Teilhabe am stark wachsenden Tourismus in Westaus-tralien möglich ist. Immerhin sind Aborigines und ihre Kultur der "Traumzeit" für 45 Prozent der befragten Australienurlauber das wesentliche Motiv ihres Aufenthaltes. Die jüngere Vergangenheit der Aborigines ist durch einen langen Leidensweg gekennzeichnet. Dieser endet erst allmählich. Beginnend mit der Tatsache, dass 1967 der westaustralischen Urbevölkerung erstmals die australischen Bürgerrechte zuerkannt und die Gleichheit vor dem Gesetz hergestellt wurde. Zuvor war es den Weißen in Australien beispielsweise erlaubt, Kinder mit Aborigine-Herkunft den Eltern zu entreißen, an unbekannte Orte zu verfrachten, sie in Missionen und Heimen aufwachsen zu lassen, um sie dort zwangsweise zu assimilieren. Doch diese Praxis wurde erst zu Beginn der 1970er Jahre beendet, und kürzlich hat sich auch Ministerpräsident Kevin Rudd für die langjährige unwürdige Behandlung seiner Ureinwohner offiziell entschuldigt. Das hilft jenen Kräften in Australien, die intensiv daran arbeiten, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und Brücken für eine gemeinsame Zukunft zu bauen. Ähnlich der Situation in Südafrika. Und ähnlich der Lage in Mexiko. Dort waren die früheren Sisal-Haciendas immerhin Ausdruck einer ausbeuterischen Feudalstruktur, unterdessen sind sie zum Symbol für ein soziales Miteinander geworden.
Adresse in Australien: Adresse in Deutschland: Die Stiftung SST, Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus, stellt für die Preisträger des TO DO!-Wettbewerbs zum vierten Mal in Folge ein Preisgeld von CHF 5.000,- pro Preisträger zur Verfügung. Außerdem ist die Stiftung SST auch dem Kreis der Förderer des TO DO!-Wettbewerbs beigetreten. Hansjörg Ruf, Präsident des SST-Stiftungsrates, begründete dies anlässlich der Übergabe der Preisgelder so: "Mit dem TO DO!-Preis werden Projekte ausgezeichnet, die beispielhaft zeigen, dass ein sozialverantwortlicher Tourismus möglich ist. Solche Projekte zu fördern, sie finanziell zu unterstützen und ihnen damit oft eine Umsetzung erst zu ermöglichen, ist das Ziel der Stiftung SST." Hans Stadler, Leiter des Vertriebs bei der Europäischen Reiseversicherung hob in seiner Würdigung der TO DO!-Preisträger hervor, dass es ihn freue, "wie engagiert und kreativ Menschen in aller Welt die Initiative für einen nachhaltigen und sozialverantwortlichen Tourismus ergreifen." Die Europä-ische Reiseversicherung engagiere sich seit langem für Umwelt- und Sozialprojekte, betonte Stadler, weil sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung touristischer Ressourcen leisteten. Die Unterstützung des TO DO!-Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus entspreche genau dieser Zielrichtung. Seit 2004 stellt DIE EUROPÄISCHE als Mitglied des TO DO!-Förderkreises Preisgelder in Höhe von 2.100,- Euro zur Verfügung.
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Verantwortlich für den Text : Klaus Betz